Editorial 2017

Das 29. OSTERFESTIVAL TIROL macht Innsbruck und Hall über drei Wochen lang zu Orten internationalen Austausches. Unter dem Motto auf.bruch werden Alte und Neue Musik, Tanz, Performance sowie Film und Gespräche betrachtet. Wir befinden uns in einer Zeit von Veränderungen, teils auch von Aufbrüchen, die wir am besten gemeinsam schaffen. Dafür ist grundlegend Respekt und Verstehenwollen des jeweils Anderen – entgegen Verhetzung, Misstrauen und Gleichgültigkeit.

Bereits im Vorfeld des OSTERFESTIVAL TIROL lassen das OrgelSPIEL (an 5 Samstagen ab dem 11. März) und die 15 Orte (vom 26. März bis zum 9. April) mit Text und Musik Inseln der Stille erleben – ein Innehalten in der sonst so getriebenen Zeit. .daneben, eine Reihe mit Gerhard Crepaz, verführt Sie mit kleineren und größeren Impulsen in vergessene Welten abseits des Konsums und hilft, die Inhalte der Veranstaltungen tiefer zu erfahren.

Das Festival wird dieses Jahr mit einem ungewöhnlichen Projekt eröffnet (31. März): Boris Charmatz’ Hommage an den großen Choreographen Merce Cunningham, der für den Aufbruch der Kunstform Tanz von großer Bedeutung war. Auf der Bühne stehen bewegungsbegeisterte Menschen aus Tirol. Gemeinsam entwickeln sie ein originelles und humorvolles Stück zu und über den amerikanischen Künstler in Form eines Fotoromans.

Starke Emotionen finden sich in den Passionen (Passionssonntag, 2. April; Karfreitag 14. April) mit zwei selten zu hörenden Wunderwerken von Georg Philipp Telemann und Alessandro Scarlatti. Telemanns Markus-Passion (Leitung: Bernhard Sieberer) beginnt mit der Ölberg-Szene und endet mit der Kreuzigung; immer wieder geben allegorische Figuren wie Glauben, Eifer oder Religion Kommentare zum Geschehen. Scarlattis Johannes-Passion – ein kleines Meisterwerk an schlichter Anmut ist unter der Leitung von Leonardo García Alarcón (Tirol-Premiere) zu hören. Judas, eine der zwiespältigsten Figuren christlichen Glaubens, steht in Gespräch, Musik und Film im Zentrum mehrerer Abende (Palmsonntag 9. April: Oh du armer Judas, PerSonat, Concerto Palatino; 11. April: Gespräch/Dialog Judas als Sündenbock?).

Mit Tanz, Performance, Film und Theater beleuchten wir die Um- und Aufbrüche in derzeitigen Krisenländern. In Form getanzter Bilder, eines Dokumentarfilms und Unausgesprochenem wird auf die Situation in Syrien (1. April: Déplacement, Mithkal Alzghair), Ägypten (12. April: Forbidden, Amal Ramsis) und dem Iran (15. April: Hearing, Amir Koohestani) aufmerksam gemacht.

Salvatore Sciarrino, einer der wichtigen Erneuerer der zeitgenössischen Musik wird 70. Ihm widmen wir einen Abend mit Werken aus seinen ersten Jahren bis heute, dazu Morton Feldman (6. April: Ensemble Phace). Sciarrino ist um die Öffnung der Sinne durch seine Musik bedacht, das will auch Georg Friedrich Haas. in vain spielt mit Dunkelheit, der Intensität des Lichts und dem Einfluss auf unser Wahrnehmen (13. April: Windkraft, Konstellation, Leitung: Kasper de Roo).

Der Aufbruch von Genres ist dem belgischen Künstler Thierry De Mey in seinem neuen Stück auf wunderbare Weise gelungen. Als Komponist, Filmemacher und Choreograph lässt er die Kunstformen – Tanz, Live-Musik (fünf Musiker des Ensemble intercontemporain) und Lichtdesign ineinander verschmelzen. Ziel ist die Schönheit des Ausdrucks, der Geste. (8. April: Simplexity). Den Endpunkt setzt – wie auch den Beginn – Merce Cunningham, seine beliebte Choreographie (Sounddance), bildet mit Werken von Twyla Tharp und William Forsythe den großen Abschluss des Festivals. (Ostersonntag, 16. April: Ballet de Lorraine)

Wir wünschen viel Freude beim Lesen, Hören, Sehen und anregende gemeinsame Erfahrungen.