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Editorial 2015

Das 27. OSTERFESTIVAL TIROL lädt unter dem Motto „Mut“ drei Wochen lang in Hall und Innsbruck zu internationalem Austausch: mit Alter und Neuer Musik, Tanz und Performance sowie Film und Gesprächen. Mut u.a. eigene, neue Wege zu gehen – in einer Zeit des Umbruchs und gleichzeitig des Rückschritts sich durch die Flut von schnellen Informationen nicht fehlleiten zu lassen und Mut, die Zeit zu nehmen, das Andere kennen- und verstehen zu lernen.

Neue Wege beschreitet seit seiner Gründung das belgische Künstlerkollektiv BERLIN. Mit zwei ihrer Video-Performances (beides österreichische Erstaufführungen) gehen sie zu Beginn des Festivals zum einen auf unsere virtuell geprägte Gegenwart ein und lassen von Leinwänden dem Vis-à-Vis einzigartige, reale Geschichten erzählen. Zum anderen setzen sie sich mit Jerusalem – dem internationalen Brennpunkt der Frage nach der Möglichkeit eines konfliktfreien Miteinanders – auseinander. Dem Gedenken an den Krieg und an seine unzähligen Opfer bis in unsere Zeit – unsere Welt wird täglich von neuen Gräueltaten erschüttert – sind einige unserer Aufführungen gewidmet: Neben der Eröffnung mit der Seelenwelt des am Krieg zerbrochenen Dichters Georg Trakl, über die Musik Weinbergs bis hin zum Karfreitag mit Jordi Savall und seiner Verneigung vor dem armenischen Geist, getragen von Melancholie, Schönheit und Anmut. In jeder Musik auch die Suche nach dem Besseren, der Hoffnung und Liebe.

Zeitgenössische Wege geht im Tanz und in der Performance unter anderem Maud Le Pladec, sie macht den Tanz, wie man träumt ihn zu erleben: die Musik umfangend, sich mit ihr vermischend und öffnend zu ungezügelter Phantasie. Das fast Unmögliche gelingt Olivier Dubois in seinem neuen Stück Souls bei dem sechs Tänzer aus sechs unterschiedlichen afrikanischen Staaten ihre „Seelen“ vereinen. Das Verbindende sucht und findet sowohl die aus dem Libanon stammende Sœur Marie Keyrouz mit ihrem Ensemble de la Paix, als auch der Starchoreograph Akram Khan, der zeitgenössischen Tanz mit dem alten klassischen indischen Kathak verbindet und daraus Neues entstehen lässt. Ein Neuerer in der Musik, Pierre Boulez, der sein Leben lang für das Zeitgenössische kämpft, feiern wir mit seinem richtungsweisenden Werk Le Marteau sans maître an seinem 90. Geburtstag.

Etwas Besonderes zu Frühlingsbeginn und Bachs Geburtstag sind seine Goldberg-Variationen – einer der bedeutendsten Variations-Zyklen der Musikgeschichte und die Aufführung der Bußpsalmen Orlando di Lassos in der „originalen Besetzung“ der Münchner Hofkapelle zur Zeit des Komponisten mit dolce risonanza und den Profeti della Quinta. Zwei aufregende Projekte sind die Performance Envers et face à tous mit Menschen aus Tirol sowie die Aufführung des Llibre Vermell de Montserrat (14. Jh.), ein Juwel der Musik mittelalterlicher Pilger, reich an volkstümlichen Klängen, mit La Camera delle Lacrime gemeinsam mit Stimmsalz Hall und dem Gesangsstudio Do-Re-Mi Telfs.

Zusatzimpulse werden durch Filme, in Gesprächen, Einstimmungen (jeweils 19.15 Uhr) und auch in den kurzen Aktionen der 15 Orte (jeweils 15 Uhr) gesetzt.

Wir wünschen eine erlebnisstarke Zeit.