Der Schriftsteller Elias Canetti steht für den modernen Widerspruch gegen den Tod, den er mit der „absoluten Kälte des Weltraums“ identifizierte und gegen den er Zeit seines Lebens anschrieb. Scharf kritisierte er die Religionen, denen er ein Abfinden mit dem Tod vorwarf. Heute hoffen Vordenker wie Ray Kurzweil mit technischen Mitteln den Tod überwinden zu können. Dabei zeigt sich, dass der moderne Kampf gegen den Tod selbst biblische Wurzeln hat, wenn wir an Bibelstellen denken, die das hohe Lebensalter preisen: „Wer als Hundertjähriger stirbt, gilt noch als jung, und wer nicht hundert Jahre alt wird, gilt als verflucht“ (Jes 17,20). Doch Versuche, den Tod zu überleben, haben auch ihren Preis, wie der ketzerische Informatiker Joseph Weizenbaum gegen Enthusiasten wie Kurzweil einwarf. Zu den Schattenseiten des Überlebens gehört auch, dass Canetti im „Überlebenden“ die gewaltbereite Versuchung zur Macht entdeckte. Aus diesem Grund ist es wichtig, nicht egoistisch um jeden Preis überleben zu wollen, sondern die Frage des Todes in Beziehung zu anderen Menschen zu stellen. Der jüdische Philosoph Emmanuel Levinas erkannte zu Recht, dass die „Furcht vor dem Tod des Anderen … die Ausgangsbasis für die Verantwortung für ihn bildet“. Und Mahatma Gandhi sagte ein Lebensalter von 125 Jahren voraus. Nicht um egoistisch zu überleben, sondern „um selbstlos zu dienen“.