Orpheus und Eurydike – Inbegriff des Liebespaares – sie, getötet von einer Schlange und im Schattenreich, er, der alle betörende Sänger ihr folgend, um sie zurückzuholen. Was aber, wenn Eurydike gar nicht zurück will? Was, wenn sie die angebotenen weiblichen Identitätsentwürfe, die alle nur vom Begehren eines anderen abgeleitet sind, verweigert und ablegt wie die Kleider der vergangenen Saison? Die männlichen Erlösungsphantasien verlieren ihren Reiz und die Schatten des Hades den Schrecken. Es bleibt das Glück des Nicht-Mehr-Angeschaut-Werden-Müssens. Elfriede Jelinek spielt in Schatten (Eurydike sagt) mit der Möglichkeit einer unmöglichen Sprechposition, in der das Objekt der Begierde lustvoll selbst zur Sprache gelangt.

Mit Sarah Melis, Christina Scherrer, Alexandra Sommerfeld
Klangregie: Wolfgang Musil
Dramaturgie: Uwe Mattheiß